Liebe St. Michael Gemeinde

* Die Auflösung zu dieser Überschrift folgt. – Sind Sie eher ein „gute Nachrichten“ oder ein „schlechte Nachrichten“-Typ? Oder
gar ein „gar keine Nachrichten“- Typ? In den Sommerferien auf Norwegenreise habe ich es genossen, mal gar keine Nachrichten zu lesen. Ich meine damit nicht die Whatapps meiner Tochter, die allein zu Hause geblieben ist. Das erste Mal allein! Klar, dass mir jede Nachricht wichtig war! Nein, ich meine die WeltNachrichten, all das, was Daheim und in der Ferne die Menschen bewegt.
Viele würden jetzt sagen: „Ich lese lieber gute Nachrichten, dann fühle ich mich gleich besser.“ Es gibt sogar eigene Kanäle z.B. auf Instagram nur mit guten Nachrichten. Da steht, dass es so viele Störche in Deutschland gibt wie seit langem nicht. Prima. Trotzdem werden negative Nachrichten viel häufiger angeklickt. Sie lösen einfach mehr Emotionen in uns aus und wir möchten wissen, was da los ist.
Deswegen habe ich die Überschrift auch so gewählt, ich wollte dass mein Beitrag gelesen wird… „Die Kirche ist am Ende“. Einige Zahlen, die Sie vielleicht gelesen oder gehört haben, verheißen ja wirklich nichts Gutes. Die Mitglieder und die Gelder gehen zurück und es gibt weniger Nachfrage nach kirchlichen Angeboten. Die Bevölkerung wird immer säkularer. Das wird sich auch auf politische Entscheidungen, die für die Kirche wichtig sind, früher oder später auswirken, denn die Entscheider der Zukunft haben evtl. selbst gar keinen Bezug zur Kirche und finden nicht, dass sie besondere Rücksicht nehmen müssen. Dennoch ist die Überschrift nicht vollständig. Der Satz „Die Kirche ist am Ende“ geht noch weiter. Ich füge hinzu: „Die Kirche ist am Ende… so viel mehr als die Kirche, die wir kennen“. Denn über Jahrhunderte hat sich eine Gestalt von Kirche entwickelt, die Vieles mitschleppt was nicht mehr gebraucht wird. In vergangener Zeit übernahm die Kirche z.B. die Verwaltung und das Eintreiben der Steuern. Dabei ist sie ganz anders gestartet.
Anfangs sammelten sich in kleinen Gemeinden Menschen, die von der guten Nachricht (da ist sie wieder!) Jesu begeistert waren. Der hatte erzählt, dass Unterdrückte frei werden sollen und Arme zu essen bekommen. Dass Versöhnung und Vergebung möglich sind. Dass das Gesetz für den Menschen da ist und nicht der Mensch für das Gesetz. Und er hatte all das selbst vorgelebt, hatte sich Leuten am Rand der Gesellschaft zugewendet.
Die Kirche ist am Ende Trägerin dieser guten Botschaft Jesu und der Ort, wo Menschen selbst Teil davon werden können. Dass heute Viele auch ohne Taufe, Konfirmation, Sonntagsgottesdienst und Bibellesung gut durchs Leben kommen ist ein Fakt. Aber es hindert niemanden daran, mit dem 1. Petrusbrief „Rechenschaft abzulegen über die Hoffnung, von der ihr erfüllt seid“. Und es hindert uns nicht daran, Ihnen und euch diesen neuen Gemeindebrief in die Hände zu legen (noch eine gute Nachricht) mit der Einladung, mal vorbeizuschauen. Bis bald!

Ihre Pastorin Gwen Bryde