Willkommen in St. Michael,
In diesem Bereich können Sie eine kleine "Kirchenführung" erleben. Die Texte wurden anlässlich des 50jährigen Bestehens der St. Michael Kirche im Jahr 2005 aktualisiert. Die Textbearbeitung erfolgte nach einer Festschrift von Pastor Herbert Rosenau und nach Aufsätzen von Frau B. Haug und Frau E. Sticker. Die Überarbeitung erfolgte durch Herrn H-E. Sahlmann. Ein sehr schön gestaltetes Heft mit der Chronik von St. Michael ist im Gemeindebüro erhältlich.
Schon im 14. Jahrhundert hat es vor den Toren von Bergedorf eine Kapelle als Andachts- und Pilgerstätte gegeben. Es war die von den Sachsen Herzögen aus Lauenburg errichtete " Capelle des hilghen Cruces" vor dem Sachsentor. Sie stand etwa dort, wo heute die "Bergedorfer Straße" in den "Brink" mündet. Von ihr ist jede Spur verloren gegangen. Bereits vor dem 2. Weltkrieg bestand der Plan, für das sich ausbreitende Bergedorf im östlichen Neubaubereich eine zweite Kirche zu bauen. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges verhinderte diesen Bau. Als nach Hamburgs Wiederaufbau, auch im Bereich der Kirchenbauten die größten Lücken geschlossen waren, wurde "St. Michael" eine der ersten kirchlichen Neubauten in der "Alt Hamburgischen Kirche" wie die Kirche damals hieß. Mit "St. Michael" besitzt Bergedorf seit dem 29 September 1955 eine zweite ev.- luth. Kirche. Sie steht weit sichtbar auf dem Gojenberg, inmitten des zum Parkgelände umgestalteten "Alten Friedhofes". Fast zehn Jahre gehörte die Kirche "St. Michael" als zweite Predigtstätte zur ev.- luth. Kirchengemeinde "St. Petri und Pauli" in Bergedorf. Am 10. Oktober 1964 entstand die "Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Michael zu Bergedorf" durch Ausgliederung der vierten und fünften Pfarrstelle als neue, eigenständige Gemeinde.
Das weiße Antependium
Es wurde von einer finnischen Textildesignerin entworfen und als Brockatstickerei mit silbernen und goldenen Fäden auf champagnerfarbiger Seide ausgeführt. Das Antependium des Altar zeigt einen goldenen Fisch in silbrig schimmernden Wasser. Vom Fisch breiten sich konzentrische Kreise aus. An der Kanzel sehen wir einen Kreis, wie eine Sonne, aber mit nach innen gerichteten Strahlen, die im Zentrum des Kreises einen sechstrahligen Kreis ergeben. Am Lesepult wird der Kreis als Lichtmotiv wieder aufgenommen, mit nach unten gerichteten goldenen Strahlen, von denen das Licht gleichsam in konzentrischen Kreisen und Wellen fortflutet.
Das violette Antependium
Das violette Antependium wurde von der Bergedorfer Bildweberin Frau Hellga Rodewald aus Wolle gewebt. Aus dem Antependium am Altar flutet unter einem Bogen, aus einem Tor gleichsam das Licht heraus. " Ich bin das Licht der Welt", ist hier eindrucksvoll dargestellt wie es am Antependium der Kanzel zu lesen ist.
Das grüne Antependium
Das grüne Antependium (Vorhang am Altar) wurde von der Hamburgerin Edith Sticker entworfen und von der Paramentik im Stift Bethlehem, Ludwigslust im Januar 1997 gewebt. Grün ist die Farbe des Lebens, des Wachstums und der Hoffnung. So gestalten sich die Farben des Tuches in verschiedenen Grünabstufungen und Formen. Ein dunkles, sattes Grün rahmt die helle Lichtbahn ein. In ihr und zugleich auf ihr wachsen leicht gelbgrüne Weiß-Schattierungen dem großen Bogenkreis entgegen.
Der Halbkreis im unteren Bogen wirkt wie ein gefülltes Glas. Die große hellaufscheinde Öffnung am oberen Rand des Tuches wirkt wie ein empfangenes Zeichen, wie im Gebet nach oben geöffnete Arme. Das hineinfließende Weiß durchwirkt die lebendige Bahn mit Licht. Im Weiß spiegeln sich die Herrlichkeit und der Glanz Gottes wieder. Gott, der Ursprung des Lichtes und der Farbe ist.
Durch das Weben ist absichtslos, eine neue, nicht geplant Figur entstanden. In Hellblau eingefaßtes Weiß wirkt wie ein Kopf. Ein dunklerer kleiner Grünfleck wie ein Schatten darunter. Zwei helle Bogenformen wirken wie weit ausgebreitete sich bewegende Arme. Der Leib: eine FArbfülle, sich ausbreitend und gebend. "Christi Leib für uns gegeben." Es entsteht das Gefühl einem grünendem Christus zu begegnen. Ein seltenes Zeichen in unserer Kirchentradition.
Die Orgel
Die Orgel umrahmt das Westfenster zur Hälfte und fügt sich mit ihrem asymetrischem Orgelprospekt gut in das Gesamtbild der Kirche ein.
Sie steht auf einer Empore, die fest im Mauerwerk verankert ist. Eine weitere Empore die an kräftigen Drahtseilen hängt, bietet dem Spieltisch und etwa 25 Sängern, bzw. Musikern Platz.
Die von dem Hamburger Orgelbauer Grollmann erstellte Orgel, wurde am 23. August 1959 eingeweiht und 1991 durch die Firma Rudolf von Beckerrath renoviert und umintoniert.
Der Spieltisch umfasst 2 Manuale und das Pedal. Die 14 Register, 1 Tremulant und fast 1000 Pfeifen verleihen ihr, trotz der kleinen Ausmaße, Klangfülle und reiche Variations-möglichkeiten.
Dies Schmuckstück der Orgelbaukunst ist aus Gottesdienst und Kirchenmusik nicht wegzudenken.
Die Kirche St. Michael
Sie besteht aus einem weißen Kubus von 13x13x13m, dem im Osten der Altarraum, im Norden die Sakristei und im Westen ein Eingangsraum angefügt ist.
Die Westfassade wird durch das große, ovale Michael Fenster geprägt. Der sich 23m nach oben reckende Turm der Kirche, ist als zentraler Dachreiter gestaltet.
Innen und außen bewahrt die Kirche ihren schlichten Kapellencharakter. Sie ist aber doch ein Gotteshaus mittlerer Größe, das mehr als 250 Besuchern Platz bieten kann.
Mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und ihrer Lage am Urstromtal der Elbe, nimmt die "St. Michael Kirche" die alte Tradition der Michael Kirchen in Europa auf, wie sie früher vielfach an Meeren und Flüssen errichtet wurden.
Man denke unter anderen an Mont St. Michel vor der bretonischen Küste in Frankreich oder an die St. Michaelis Kirche in Hamburg. Der "Erzengel Michael" galt schon immer als Wächter gegen Unheil bringende Wasserfluten.
Der Park mit seinen hohen, alten Bäumen im Umkreis der Kirche, stellte den Architekten Langmaack vor die Aufgabe, einen Bau zu schaffen, der sich einerseits dem Landschaftsbild gut einfügt und sich andererseits wirkungsvoll abhebt.
Der weiße Außenanstrich bildet einen kräftigen Kontrast zum Grün des Rasens und der Bäume. Die Einbindung in den Park wird durch die als rohe Baumstämme ausgebildeten Säulen erreicht, die das ausladende Dach des Vorraumes (Porticus) tragen.
Außerdem durch die Bedachung des Kirchturmes mit Holzschindeln und durch die Bruchsteinplatten vor dem Eingang der Kirche.
